

WAS BESCHÄFTIGT DERZEIT DIE BANKEN
VERKEHRTE WELT!
Die von der EU vorgegebenen Rahmen-
bedingungen sind für die Volksbanken und
Raiffeisenbanken zunehmend eine große
Herausforderung.
Franz Schmid, Vorstandsvorsitzender der Bezirks-
vereinigung Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen
(BZV), berichtet im Interview über die aktuelle
Situation.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält nun
schon einige Jahre an der Niedrig-, aktuell
sogar an der Negativzinspolitik fest. Was soll
diese Politik überhaupt bewirken?
Ursprünglich wollte EZB-Präsident Mario Draghi
mit billigem, beziehungsweise zinslosem, Geld die
Europäische Union animieren, mehr zu inves-
tieren. Er wollte damit ein höheres Wirtschafts-
wachstum innerhalb der schwächelnden Euro-
zone erreichen. Die Zentralbank versucht durch
niedrige Zinsen die Wirtschaft anzukurbeln.
Übrigens funktioniert die ganze Finanzwelt so.
Allerdings haben es die Zentralbanken der Welt
erstmals in der Geschichte der Geldwirtschaft
erreicht, den Zins so gut wie abzuschaffen. Die
Folge ist, dass bewährte Marktmechanismen und
traditionelle Überzeugungen auf den Kopf gestellt
werden, nur um die blutleeren Krisenländer und
deren Kreditwirtschaft zu retten. War früher
Sparsamkeit eine Tugend, scheint die Rettung
von Staaten im Schatten der EZB nur über neue
Schulden und Ausgaben zu funktionieren. War
früher eine schlechte Konjunktur auch schlecht
für Aktien, ist heute eine schlechte Konjunktur
gut für Aktien, da mit weiterer Liquidität der EZB
für den Aktienmarkt gerechnet werden kann.
Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie
die Welt sich verkehrt hat. Die Volksbanken und
Raiffeisenbanken der BZV sind jedoch seit je-
her gut aufgestellt und konnten die Experimente
der EZB bisher kompensieren. Die Auswirkungen
der langanhaltenden Niedrig- und Negativzins-
politik setzt das Geschäftsmodell der regionalen
Banken derzeit weiter unter Ertragsdruck. Es
wird immer schwieriger, auskömmliche Erträge
zu erwirtschaften.
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