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Inflation – was ist das eigentlich?
Als Inflation wird in der Volkswirtschafts-
lehre ein allgemeiner und anhaltender
Anstieg des Güterpreisniveaus bezeichnet.
Dies bedeutet auch: Eine Minderung der
Kaufkraft des Geldes. Gemessen wird die
Inflation anhand der Preisänderungen von
Gütern eines festgelegten Warenkorbes,
der in einem bestimmten Kalenderjahr
(dem Basisjahr) repräsentativ für einen
durchschnittlichen Haushalt (in Deutsch-
land 2,3 Personen) bestimmt wird. Auf
Grundlage dieses Warenkorbes und des
benannten Basisjahres werden für jedes
Jahr die Lebenshaltungskosten ermittelt.
Daraus lässt sich die prozentuale Steige-
rung zum Vergleichs- oder Vorjahr berech-
nen. In Deutschland ermittelt das statis-
tische Bundesamt für jeden Monat die
Preissteigerungen und veröffentlicht diese.
Gibt es eine „gesunde“ Inflation?
Die Höhe der Inflation wird von den
Konsumenten – also von uns allen – unter-
schiedlich wahrgenommen. Ein Grund für
die Abweichung der „gefühlten Inflation“
zur gemessenen statistischen Inflation ist
die Tatsache, dass im Warenkorb, der zur
Inflationsmessung herangezogen wird,
sowohl Produkte des täglichen Bedarfs
(wie Lebensmittel) aber auch langlebige
Wirtschafts- oder Konsumgüter (z. B. Autos
und Maschinen) enthalten sind. Und diese
Produkte stimmen in Auswahl oder Ge-
wichtung nicht mit dem Durchschnitt
überein. In Deutschland schwankten die
jährlichen Preisveränderungsraten der letz-
ten 50 Jahre zwischen -0,1 % (1986) und
+7,0 % (1974) – aktuell beträgt sie +0,7 %.
Das erste Ziel des Eurosystems und da-
mit auch der Deutschen Bundesbank ist
der Erhalt der Preisstabilität. Für eine
gesunde Volkswirtschaft ist weder eine
Preissteigerungsrate von über zwei Pro-
zent noch eine sehr niedrige Inflationsrate
oder gar eine Deflation mit Preisstabilität
vereinbar. Mittelfristig streben wir im
Eurogebiet eine „gesunde“ Teuerungsrate /
Inflation von unter, aber nahe zwei Pro-
zent an.
Wodurch entsteht Inflation?
Über kürzere Zeithorizonte können viele
Faktoren die Preisentwicklung beeinflus-
sen. Unbestritten ist, dass länger anhal-
tende Phasen hoher Inflation mit einem
starken Wachstum der Geldmenge ver-
bunden sind (und umgekehrt). Die Teue-
rung ist damit letztendlich ein „Geld“-
Phänomen. Seit dem dritten Quartal 2014
liegt die Wachstumsrate der Geldmenge
stets über der realen Wachstumsrate des
Bruttoinlandsproduktes und auch über
der Veränderungsrate des Verbraucher-
preisindex. Das lässt erwarten, dass dieses
„zu starke“ Geldmengenwachstum bereits
in 2016 zu steigenden Inflationsraten füh-
ren sollte.
Der Grund für die aktuell aber noch niedrige
Inflationsrate sind die negativen Energie-
preise mit -7,0 %! Durch diesen Wert
wird klar, dass die Komponente „Energie“
den Warenkorb der Verbraucher deutlich
nach unten drückt. Zwischen den Zeilen
lesen wir damit, dass die Verbraucher-
preise in Deutschland ohne Energie gegen-
über dem Vorjahr bereits deutlich steigen.
Ist also die Inflation bereits zurückge-
kehrt?
Wenn, wie erwartet, das Ölpreistief im
Januar 2016 gelegen hat, wird dieser
Basiseffekt im Januar 2017 auslaufen.
Dann werden wir im gesamten Jahr 2017
mit steigenden Energie- und Ölpreisen
gegenüber dem Vorjahr rechnen müssen.
Allein dadurch wird die Inflationsrate auf
mindestens 1,3 % bis 1,6 % steigen. Soll-
ten sich in 2017 nun noch die Produk-
tionskapazitäten überdurchschnittlich ent-
wickeln oder die Ölpreise weiter leicht
steigen, dann werden wir bereits im kom-
menden Jahr den oberen Inflationskor-
ridor von nahe zwei Prozent erreichen.
Dies wird die Europäische Zentralbank
dann zu einer mäßigeren Geldpolitik ver-
anlassen.
Was bedeutet diese Entwicklung für
unsere Mitglieder und Kunden?
Als Fazit stehen wir damit nicht vor stark
ansteigenden Zinsen im Euroland, aber
vor einer gewünschten Stabilisierung des
Zinsniveaus. Geldanleger sollten also im
kommenden Jahr langlaufende Anleihen
untergewichten, Kreditnehmer sollten eher
die dann noch niedrigeren Zinsen nutzen
und die Konditionen langfristig festschrei-
ben. Da die Inflation auch 2017 nicht sta-
bilitätsgefährdend hoch notieren wird,
bleibt Gold nach wie vor keine Anlage-
alternative. Neben der Geldanlage in Immo-
bilien bietet sich aufgrund der erwarteten
Konjunktur- und Unternehmensgewinne
auch die Anlage in Aktien an. Schließlich
gehen wir davon aus, dass es im Währungs-
bereich bei den Hauptwährungen keine
außergewöhnlichen Ausreißer geben wird.
Insgesamt wird das Streuen oder Mischen
unterschiedlicher Anlageklassen zu einer
akzeptablen Gesamtrendite führen.
KONJUNKTUR 2017
KEHRT DIE INFLATION
ZURÜCK?
Wie geht es weiter für Anleger und Kreditnehmer in Deutschland? Welche Erwartungen haben wir zur Inflation und wie würden die
Auswirkungen eventuell aussehen? Wolfgang Brinkmann, Experte für Volkswirtschaft, beleuchtet für uns die aktuelle Entwicklung und
gibt einen Ausblick auf das Jahr 2017.
Wolfgang Brinkmann
Leitung Vertrieb und
Portfoliomanagement
der Volksbank
Allgäu-West eG